|
Schorndorf Kairo Alexandria Schorndorf
Was war das Motiv der Bildhauerin Ina Kraemer, in den Jahren
1930 bis 1938 ihren Heimatort Schorndorf mit der turbulenten
Weltstadt Kairo zu vertauschen? Wir wissen es bis jetzt nicht
und sind auf die sehr spärlichen Angaben über sie
in der Akte des VBKW, des Verbandes Bildender Künstler
und Künstlerinnen Württemberg, angewiesen. Dort
ist ihr siebenjähriges Bildhauer-Studium an der Akademie
der bildenden Künste verzeichnet, was zu dieser Zeit
für eine Frau sehr ungewöhnlich war. Nach ihrem
Studium wurde sie 1925 in den VBKW aufgenommen.
Sie reiste gerne und machte Studienreisen nach Italien und
Ägypten.
Als Wohnort gibt sie ab 1930 Kairo und Alexandria an.
Der Ausbruch des 2. Weltkriegs brach ihr dortiges Leben abrupt
ab.
Die Kriegsjahre verbrachte sie vermutlich wieder in Schorndorf,
wo sie als eine von drei unverheirateten Schwestern und einem
Bruder im Familienbesitz Krämermühle wohnte.
Die Mühle und alle dazugehörigen Gebäude wurden
1985 abgerissen. Aus dem Nachlass wurden von den Geschwistern
Hildt zwei Zeichenmappen und einige Plastiken gerettet.
Nach dem Kriegsende reiste Ina Kraemer wieder mehrmals in
ihre zweite Heimat Ägypten. Die dort entstandenen Reiseskizzen
sind mit 1953 und 1956 datiert.
Wir wissen kaum etwas über ihr ägyptisches Leben
in dieser Zeit. Die Aussage, dass sie Gesellschafterin bei
König Faruk war, der 1952 ins italienische Exil ging,
lässt sich leider nicht belegen die Korrespondenz
ist verschollen. Erhalten haben sich zwei frühe Zeitungsberichte
aus Kairo, die in der Zeitspanne 1930 bis 1938 über eine
Ausstellung Ina Kraemers berichten auf einem der Fotos
ist sie inmitten ihrer Terrakotta-Plastiken zu sehen
fast ist sie von ihren Werken nicht zu unterscheiden.
Aufhorchen lässt ein Name, der im Text auftaucht:
Mme. Hoda Charaoui (1879 1947), die eine der führenden
Feministinnen Ägyptens war.
In den Reiseskizzen spürt man die professionelle Bildhauerin.
Sie notiert mit Hingabe die ägyptische Kunst im Museum.
Mit einfachen Farbstiften gelingen ihr detaillierte, lebendige
Portraits und das Strandleben wird von ihr amüsant-leger
beschrieben.
Auf Reisen den Nil entlang aquarelliert sie kühn und
zart. 1965 schreibt Ina Kraemer im Ramleh-Palais in Alexandria
ihr Testament. Darin vermacht sie dem VBKW einen beträchtlichen
Teil ihres Vermögens, um damit einen Hilfsfonds für
bedürftige Künstler zu initiieren, der 2011 in die
Stiftung Künstlerhilfsfonds des VBKW übergegangen
ist.
1968 stirbt Ina Kraemer in Schorndorf und wird im Familiengrab
auf dem alten Friedhof beerdigt.
(19.12.1890 11.08.1968)
Renate Busse, Schorndorf Mai 2014
|